Vor einiger Zeit habe ich Euch davon erzählt, wie wir an einem verregneten Wacken-Wochenende, erst ein paar Hardcore Rocker im Komfort-Hotel angetroffen haben und danach auf einen Fingerzeit Gottes, unser neues Zuhause gefunden haben. Doch das war nur der Vormittag. Aber der Tag hat ja bekanntlich 24 Stunden und deshalb haben wir unsere kleine Reise fortgesetzt und sind nach Friedrichstadt gefahren. Friedrichstadt? Hatten wir zuvor noch nie gehört. Und dafür gibt es gute Gründe. Aber es gibt mindestens ebenso viele Gründe, etwas daran zu ändern.

Und wieder keine Aussicht auf Aussicht

Als wir Todenbüttel verlassen haben, beseelt vom Gedanken einen Heimathafen gefunden zu haben, in welchem gerne dauerhaft anlegen möchte, schloss sich der Himmel wieder. Dort wo eben noch strahlender Sonnenschein „unser“ Haus in bestes Licht getaucht hat, verdeckten wieder dicke Wolken den Himmel. Es regnete.

Eigentlich hätten wir die Reise nun abbrechen können, denn wir hatten unser Haus ja gefunden und dieses Mal, das schworen wir uns, würde man es uns nicht vor der Nase wegschnappen! Aber wir hatten noch eine Besichtigung vereinbart. Zwar kam dieses Haus für uns nicht in Frage, aber wenn wir schon unterwegs waren und Zeit hatten, wollten wir es uns trotzdem ansehen. Es war ein Stadthaus und zwar keines, welches mit Randlage glänzen konnte. Deshalb war mit freier Sicht, einer der wichtigsten Punkte auf unserer Anforderungsliste, nicht zu rechnen.

Wobei ich persönlich noch nie etwas von dieser Stadt gehört hatte: Friedrichstadt. Das war wirklich erstaunlich, denn die Stadt wurde vor 400 Jahren mit der Absicht gegründet, einen führenden Umschlagsplatz für den Handel zwischen Indien und Russland aufzubauen. Sie sollte nach dem Willen des Gründervaters Friedrich III (daher wohl der Name Friedrichstadt), den Häfen der Hanse die Stirn bieten können.

Naja, wurde wohl nichts aus den Plänen, sonst hätte ich als aller Seebär doch von dieser Hafenstadt gehört.

Fenster zum Markt

In Friedrichstadt angekommen, zeigte sich auch die Sonne wieder. Das zu besichtigende Haus lag am Marktplatz und damit wirklich in der Stadtmitte. Nein, Aussicht gibt es an dieser Stelle keine. Aber so im Sonnenlicht getaucht, machte die Kulisse schon etwas her. Keine Frage.

Der Makler erwartete uns bereits. Eigentlich waren wir wohl etwas zu früh, denn er lehnte an der Fassade des Hauses und schleckte genüsslich an einer großen Glace. Da kamen wir wohl eher ungelegen…

Was soll ich sagen. Das Haus war klein, die Fassade heruntergekommen, das Mauerwerk feucht das Dach in einem erbarmungswürdigen Zustand. Die Innenräume verbraucht, die Fenster nicht mehr zu gebrauchen und im Hinterhof gab es statt einem schönen Garten, eine Betonwüste, welche trotzdem irgendwie mit Brombeeren überwuchert war. Nicht einmal das Meer ist in unmittelbarer Nähe.

Aber der Blick vom Wohnzimmer auf den sonnenbestrahlten Marktplatz: Einfach umwerfend.

Als wir Friedrichstadt an jenem Nachmittag verlassen haben, glucksten wir beide vor Glück. Wir hatten zwei tolle Häuser am selben Tag gesehen und über beiden schien an einem verregneten Wochenende die Sonne. Das war definitiv ein Zeichen von ganz oben. Wir mussten die Häuser kaufen. Und zwar beide!

Vermutlich waren wir betrunken.

(Nur damit das klar ist und Sie mich nicht auf dem Schifffahrtsamt anschwärzen: Ich trinke nie Alkohol. Auch nicht, wenn ich im Dienst bin!)

Unbekanntes Friedrichstadt

Wer jetzt erwartet, dass ich etwas über Friedrichstadt berichte, wird leider enttäuscht. Als wir das Haus am Markt erstanden haben, hatten wir keine Ahnung, auf was wir uns da eingelassen haben. Weder hinsichtlich des Hauses, noch in Bezug auf den Ort an welchem es steht. Der Marktplatz hat uns gefallen. Das muss für den Moment reichen.

Aber keine Angst: In meinen beiden kommenden Beiträgen erzähle ich Euch etwas über die kleine Stadt zwischen Eider und Treene. Denn natürlich weiss ich inzwischen mehr über die kleine Unbekannte. Viel mehr.

 

Tipp:

Die unbestrittene Hauptattraktion der Stadt ist das Pinocchio. Keine andere Einrichtung im Ort erfährt mehr Zuspruch. Und zwar mit großem Abstand!

 

Beim Pinocchio handelt es sich um ein klassisches italienisches Eiscafé. Mit einem bedienten Bereich auf dem Marktplatz und einem Glace-Verkauf „über d Gass“. Am Glace-Stand bilden sich im Sommer lange Schlangen, die Sitzplätze auf dem Platz sind meistens gut besetzt.

 

Was das Pinocchio auszeichnet? Nun, in erster Linie, dass es das einzige italienische Eis weit und breit anbietet. Und wenn die Leute während ihres Urlaubes auf eines nicht verzichten können, dann ist es ein feines Eis. Dieses ist übrigens tatsächlich gut und der Preis äusserst fair.

 

Mein persönliches Highlight im Pinocchio ist jedoch nicht die Glace, sondern der Glacecerkäufer: Carmelo Bacoiu. Ein Italiener wie er im Buche steht. Fröhlich, sympathisch, witzig. Eine echte Freude. Allerdings kommt er nicht aus Italien, sondern aus Rumänien. Aber so ist das im Urlaub: Wir lassen uns von der Fassade blenden. Ist aber in diesem Fall nicht wirklich ein Problem. Ganz im Gegenteil.

 

Eiscafe Pinocchio
Am Markt 18
25840 Friedrichstadt
04881 7056

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