Friedrichstädter Kaffee-Kontor – die Quelle des Lebens

Und täglich spricht der Fährimaa: es werde Licht!

Es gibt so etwas wie eine alternative Schöpfungsgeschichte. Diese beginnt an einem Montagmorgen. Es ist dunkel und kalt. Also sprach ich: Man gebe mir Kaffee. Und ich bekam Kaffee. Und ich sah, dass es zwar immer noch Montag war, aber es war gut. Mit Kaffee zumindest besser wie zuvor. Ganz ehrlich: Ohne Kaffee herrscht in meiner Welt nur Dunkelheit, weshalb sich für mich die Schöpfungsgeschichte Tag für Tag wiederholt. Und zwar mit einem Kaffee der Sorte Französisch Melange aus Kalles Friedrichstädter Kaffee-Kontor. Und das ist gut so.

Der Fährimaa aber sprach: Man reiche mir einen Kaffee. Man reichte ihm einen und siehe da, es wurde Licht. Der Fährimaa sah, dass der Kaffee gut war. Der Fährismaa schied das Licht von der Finsternis, und er nannte das Licht Schale (Milchkaffee) und die Finsternis Espresso. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: Das Ritual beginnt von Neuem.

Kaffee trinke ich schon lange. Die Pariser Melange allerdings erst seit gut einem Jahr. Entdeckt habe ich ihn bei einem Nachbarn in Friedrichstadt. Wobei, was heisst schon Nachbar? Kalles Friedrichstädter Kaffee-Kontor liegt eigentlich auf der anderen Seite des Marktplatzes. Ehrlich gesagt habe ich den Laden mehr als zwei Jahre sogar gezielt übersehen. Und zwar so lange, bis ich Kalle persönlich kennenlernte.

Kalle und der Fährimaa

Kalle ist für Friedrichstadt in etwa das, was der Fährimaa für Basel ist. Nämlich gleichzeitig ein Original und so etwas wie ein lebendiges Wahrzeichen. Und genauso wie man in meiner Heimatstadt „d’Fähri“ nicht alleine wegen der Überfahrt nutzt, geht man in Friedrichstadt nicht nur wegen der riesigen Auswahl an Kaffeesorten (170 Sorten), der nicht minder beeindruckenden Auswahl an Tees (60 Sorten), Fruchtaufstrichen und Gelles (62), Bränden, Liköre und sonstige Alkoholika (18), Senfe (11) und Sonstigem hier einkaufen. Es geht um das Gesamterlebnis.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist ein Erlebnis der anderen, der besonderen Art. Denn der Friedrichstädter Kaffee-Kontor widerspricht allem, was man in der stromlinienförmigen Shoppingcenterverkaufspsychologie als gut, als richtig und als umsatzfördernd angesehen wird. Gott sei Dank kann man da nur sagen, denn genau das macht einen Besuch im Laden am Markt 8 in Friedrichstadt so spannend. Denn was würde in Erinnerung bleiben, wenn hier alles so wäre wie in den 10.000 anderen Shops, welche um die Gunst der Menschen der Nordseeregion buhlen? Nichts! Ich verspreche Ihnen, dass dies bei Kalle nicht der Fall sein wird.

Wie konnte mir das bloss verborgen bleiben?

Sie fragen sich jetzt vielleicht, weshalb ich unter diesen Umständen Friedrichstädter Kaffee-Kontor trotzdem zwei lange Jahre lang übersehen. Wo er doch angeblich so toll sein soll. Nun, das will ich Ihnen erklären: weil er von seinen inneren Werten lebt. Von außen betrachtet, macht er nicht viel her. Und zumindest in diesem Punkt muss man den Einkaufspsychologen eben doch recht geben: Die Schwellenangst ist ein großer Umsatzkiller. Und im Fall des Hauses am Markt 8 ist es nicht nur eine Schwelle, sondern eine veritable Treppe, welche in ein Haus führt, welches auch sonst über keine klassische Verkaufsfassade verfügt. Genau deshalb war ich nie in dem Gebäude, bevor mich Kalle dazu aufgefordert hat.

Bei Kalle gibt es wie bereits gesagt, 170 Sorten Kaffees zu kaufen. Wir kaufen zwei davon. Den besagten Französisch Melange mit seinem vollmundigen und trotzdem milden Aroma für den Morgen. Den Kaffee aus dem „Tal der Hundertjährigen“ für die Zeit danach. Letzterer ist deutlich kräftiger.

Kaffeetechnisch gibt es eine Art Zeitscheide, seit ich Kalle kennengelernt habe. Die Zeit davor, als ich dem Sündenpfad der Kapselwirtschaft gefolgt bin (weil die reparaturanfälligen Kolbenmaschinen davor, mir einfach zu viel Zeit und Geld geraubt haben) und die Zeit danach, welche mich zurück zur modernen Stempelkanne geführt hat. Denn Kapseln sucht man bei Kalle vergebens. Hier gibt es Bohnen. Und wenn man nett fragt, werden diese sogar gemahlen…

Erlebnisfaktor Friedrichstädter Kaffee-Kontor

Trotz der exzellenten Auswahl an Kaffee: Für sich gesehen ist das noch kein Grund, eine Reise auf sich zu nehmen, um im Friedrichstädter Kaffee-Kontor einzukaufen (schliesslich gäbe es dafür einen Onlineshop).

Zu Kalle geht man, weil dieser keinen Laden führt, sondern … wie soll man das nennen? … einen Hybrid aus Museum, Kaffeehandel und dem Hamburger Fischmarkt (nur ohne Fisch versteht sich). An keinem anderen Ort der Stadt erlebt man in so kurzer Zeit so viel wie im Friedrichstädter Kaffee-Kontor. Ein Fest für alle Sinne.

Das liegt zum einen an Kalle und seiner Frau Bärbel, welche das Geschäft mit viel trockenem norddeutschem Humor führen. Zum andern aber an Kalle bzw. seiner Vorgeschichte als Antiquitätenhändler. Diesen scheint er nicht nur als Beruf, sondern aus Berufung ausgeführt zu haben. Denn mit dem Branchenwechsel hat er nichts von seiner Lust verloren, versteckte Kostbarkeiten aufzustöbern, aufzupolieren und so lange zu sammeln, bis sich jemand gefunden hat, der die Trouvaille für sich entdeckt. Das ist der größte Unterschied zu den aalglatten Verkaufsräumen der Konkurrenz: Statt auf ein ausgeklügeltes Design, welches Authentizität simulieren soll, setzen Kalle und Bärbel auf Authentizität. Und siehe da, es wirkt!

Gut investierte Zeit

Ein hoch bezahlter Tourismusfachmann ist vor einigen Jahren in seiner von der Stadt Friedrichstadt in Auftrag gegebenen Studie zur folgender Einsicht gelangt: „Die Stadt ist in relativ kurzer Zeit abgefrühstückt“. Dem ist eigentlich nur hinzuzufügen: Wenn man die meiste Zeit davon im Friedrichstädter Kaffee-Kontor verbracht hat, bleibt der Tag trotzdem in bester Erinnerung.

Tipp:

Der Friedrichstädter Kaffee-Kontor hat viel zu bieten. Das Aufbrühen von Kaffee gehört aber seit mehr als acht Jahren nicht mehr dazu. Am besten, Sie stellen die Frage also gar nicht, wenn sie den Laden betreten. Noch etwas sollten Sie unterlassen – ausser Sie bekommen von den Besitzern dafür die ausdrückliche Bewilligung: Photographieren. Das ist ausdrücklich nicht erwünscht, denn schliesslich ist es trotz allem immer noch ein Laden und kein Erlebnispark.

 

Karl-Heinz Firneis
Friedrichstädter Kaffee Kontor
Am Markt 8
25840 Friedrichstadt

https://kaffee-nf.de/

 

 

 

Öffnungszeiten

SOMMER: 14.03.2020 – 31.10.2020

Mo. – Fr. 10.00 – 18.00 Sa. 10.00 – 15.00 Uhr

WINTER: 01.11. 2020- 15.03. 2020

Di. – Fr. 11.00 – 17.00 Uhr Sa. 11.00 – 14.00 Uhr

 

Friedrichstädter Kaffee-Kontor – die Quelle des Lebens

Und täglich spricht der Fährimaa: es werde Licht!

Es gibt so etwas wie eine alternative Schöpfungsgeschichte. Diese beginnt an einem Montagmorgen. Es ist dunkel und kalt. Also sprach ich: Man gebe mir Kaffee. Und ich bekam Kaffee. Und ich sah, dass es zwar immer noch Montag war, aber es war gut. Mit Kaffee zumindest besser wie zuvor. Ganz ehrlich: Ohne Kaffee herrscht in meiner Welt nur Dunkelheit, weshalb sich für mich die Schöpfungsgeschichte Tag für Tag wiederholt. Und zwar mit einem Kaffee der Sorte Pariser Melange aus Kalles Friedrichstädter Kaffee-Kontor. Und das ist gut so.

Der Fährimaa aber sprach: Man reiche mir einen Kaffee. Man reichte ihm einen und siehe da, es wurde Licht. Der Fährimaa sah, dass der Kaffee gut war. Der Fährismaa schied das Licht von der Finsternis, und er nannte das Licht Schale (Milchkaffee) und die Finsternis Espresso. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: Das Ritual beginnt von Neuem.

Kaffee trinke ich schon lange. Die Pariser Melange allerdings erst seit gut einem Jahr. Entdeckt habe ich ihn bei einem Nachbarn in Friedrichstadt. Wobei, was heisst schon Nachbar? Kalles Friedrichstädter Kaffee-Kontor liegt eigentlich auf der anderen Seite des Marktplatzes. Ehrlich gesagt habe ich den Laden mehr als zwei Jahre sogar gezielt übersehen. Und zwar so lange, bis ich Kalle persönlich kennenlernte.

Kalle und der Fährimaa

Kalle ist für Friedrichstadt in etwa das, was der Fährimaa für Basel ist. Nämlich gleichzeitig ein Original und so etwas wie ein lebendiges Wahrzeichen. Und genauso wie man in meiner Heimatstadt „d’Fähri“ nicht alleine wegen der Überfahrt nutzt, geht man in Friedrichstadt nicht nur wegen der riesigen Auswahl an Kaffeesorten (170 Sorten), der nicht minder beeindruckenden Auswahl an Tees (60 Sorten), Fruchtaufstrichen und Gelles (62), Bränden, Liköre und sonstige Alkoholika (18), Senfe (11) und Sonstigem hier einkaufen. Es geht um das Gesamterlebnis.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist ein Erlebnis der anderen, der besonderen Art. Denn der Friedrichstädter Kaffee-Kontor widerspricht allem, was man in der stromlinienförmigen Shoppingcenterverkaufspsychologie als gut, als richtig und als umsatzfördernd angesehen wird. Gott sei Dank kann man da nur sagen, denn genau das macht einen Besuch im Laden am Markt 8 in Friedrichstadt so spannend. Denn was würde in Erinnerung bleiben, wenn hier alles so wäre wie in den 10.000 anderen Shops, welche um die Gunst der Menschen der Nordseeregion buhlen? Nichts! Ich verspreche Ihnen, dass dies bei Kalle nicht der Fall sein wird.

Wie konnte mir das bloss verborgen bleiben?

Sie fragen sich jetzt vielleicht, weshalb ich unter diesen Umständen Friedrichstädter Kaffee-Kontor trotzdem zwei lange Jahre lang übersehen. Wo er doch angeblich so toll sein soll. Nun, das will ich Ihnen erklären: weil er von seinen inneren Werten lebt. Von außen betrachtet, macht er nicht viel her. Und zumindest in diesem Punkt muss man den Einkaufspsychologen eben doch recht geben: Die Schwellenangst ist ein großer Umsatzkiller. Und im Fall des Hauses am Markt 8 ist es nicht nur eine Schwelle, sondern eine veritable Treppe, welche in ein Haus führt, welches auch sonst über keine klassische Verkaufsfassade verfügt. Genau deshalb war ich nie in dem Gebäude, bevor mich Kalle dazu aufgefordert hat.

Bei Kalle gibt es wie bereits gesagt, 170 Sorten Kaffees zu kaufen. Wir kaufen zwei davon. Den besagten Pariser Melange mit seinem vollmundigen und trotzdem milden Aroma für den Morgen. Den Kaffee aus dem „Tal der Hundertjährigen“ für die Zeit danach. Letzterer ist deutlich kräftiger.

Frioedrichstädter Kaffe-Kontor Fährimaa Ferry Tales Friedrichstadt

Kaffeetechnisch gibt es eine Art Zeitscheide, seit ich Kalle kennengelernt habe. Die Zeit davor, als ich dem Sündenpfad der Kapselwirtschaft gefolgt bin (weil die reparaturanfälligen Kolbenmaschinen davor, mir einfach zu viel Zeit und Geld geraubt haben) und die Zeit danach, welche mich zurück zur modernen Stempelkanne geführt hat. Denn Kapseln sucht man bei Kalle vergebens. Hier gibt es Bohnen. Und wenn man nett fragt, werden diese sogar gemahlen…

Erlebsnisfaktor Friedrichstädter Kaffee-Kontor

Trotz der exzellenten Auswahl an Kaffee: Für sich gesehen ist das noch kein Grund, eine Reise auf sich zu nehmen, um im Friedrichstädter Kaffee-Kontor einzukaufen (schliesslich gäbe es dafür einen Onlineshop).

Zu Kalle geht man, weil dieser keinen Laden führt, sondern … wie soll man das nennen? … einen Hybrid aus Museum, Kaffeehandel und dem Hamburger Fischmarkt (nur ohne Fisch versteht sich). An keinem anderen Ort der Stadt erlebt man in so kurzer Zeit so viel wie im Friedrichstädter Kaffee-Kontor. Ein Fest für alle Sinne.

Das liegt zum einen an Kalle und seiner Frau Bärbel, welche das Geschäft mit viel trockenem norddeutschem Humor führen. Zum andern aber an Kalle bzw. seiner Vorgeschichte als Antiquitätenhändler. Diesen scheint er nicht nur als Beruf, sondern aus Berufung ausgeführt zu haben. Denn mit dem Branchenwechsel hat er nichts von seiner Lust verloren, versteckte Kostbarkeiten aufzustöbern, aufzupolieren und so lange zu sammeln, bis sich jemand gefunden hat, der die Trouvaille für sich entdeckt. Das ist der größte Unterschied zu den aalglatten Verkaufsräumen der Konkurrenz: Statt auf ein ausgeklügeltes Design, welches Authentizität simulieren soll, setzen Kalle und Bärbel auf Authentizität. Und siehe da, es wirkt!

Gut investierte Zeit

Ein hoch bezahlter Tourismusfachmann ist vor einigen Jahren in seiner von der Stadt Friedrichstadt in Auftrag gegebenen Studie zur folgender Einsicht gelangt: „Die Stadt ist in relativ kurzer Zeit abgefrühstückt“. Dem ist eigentlich nur hinzuzufügen: Wenn man die meiste Zeit davon im Friedrichstädter Kaffee-Kontor verbracht hat, bleibt der Tag trotzdem in bester Erinnerung.

Tipp:

Der Friedrichstädter Kaffee-Kontor hat viel zu bieten. Das Aufbrühen von Kaffee gehört aber seit mehr als acht Jahren nicht mehr dazu. Am besten, Sie stellen die Frage also gar nicht, wenn sie den Laden betreten. Noch etwas sollten Sie unterlassen – ausser Sie bekommen von den Besitzern dafür die ausdrückliche Bewilligung: Photographieren. Das ist ausdrücklich nicht erwünscht, denn schliesslich ist es trotz allem immer noch ein Laden und kein Erlebnispark.

 

Karl-Heinz Firneis
Friedrichstädter Kaffee Kontor
Am Markt 8
25840 Friedrichstadt

https://kaffee-nf.de/

 

 

 

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SOMMER: 14.03.2020 – 31.10.2020

Mo. – Fr. 10.00 – 18.00 Sa. 11.00 – 15.00 Uhr

WINTER: 01.11. 2020- 15.03. 2020

Di. – Fr. 11.00 – 17.00 Uhr Sa. 11.00 – 14.00 Uhr

 

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