Antipasti in Rendsburg

Unsere neue Heimat in Schleswig-Holstein liegt unweit vom Nord-Ostsee-Kanal (NOK), ziemlich mittig zwischen der Nordsee und der Ostsee. Die wichtigste Stadt in diesem Bereich ist Rendsburg, die Kreisstadt des Landkreises Rendsburg-Eckernförde. Die hier ansässige Kreisverwaltung und die rund 28.000 Einwohner sorgen dafür, dass die Kleinstadt ein regionales Schwergewicht ist.

Ferien muss man hier zwar nicht zwingend machen, trotzdem gibt es doch ein paar Dinge, welche es lohnenswert erscheinen lassen, der Stadt einen Besuch abzustatten. Oder auch zwei. Am besten übernachtet man gleich hier, das macht es alles einfacher.

Natürlich gibt es einen guten Grund, weshalb ich Ihnen das vorschlage. Und natürlich hat der nichts damit zu tun, dass man sich so den Weg für eine zweite Anreise sparen kann. Im klassischen Sinne ist Rendsburg nämlich keine Touristendestination. Zumindest keine, welche eine längere Zeit in Banne hält.

Als wir zum ersten Mal nach dem Kauf unseres Hauses in der Region übernachtet haben, geschah dies nicht in unserem neuen Heim. Dieses war zu diesem Zeitpunkt „noch nicht bezugsbereit“, weshalb wir eine befreundete Architektin baten, eine Bestandsaufnahme für uns zu machen. Weil wir ja irgendwo nächtigen mussten, taten wir dies im nahen Rendsburg.

Rendsburg – Dänen, Militär und Antipasti

Zu Rendsburg muss man sagen, dass es – wie viele Orte im nördlichen Schleswig-Holstein – eine bewegte Geschichte hat. Die Stadt zählte bis ins Jahr 1864 zum dänischen Königreich und wurde erst danach den Preußen und damit im weitesten Sinne Deutschland zugeschlagen. Natürlich geschah dies nicht von einem Tag auf den andern. Vielmehr ging der unfreundlichen Gebietsübernahme eine lange Geschichte voraus, welche mit allen Insignien eines Dramas versehen waren: Streit unter Verwandten, Erbgeschichten, Intrigen, Raufereien und kleinere kriegerische Auseinandersetzungen. Mit dem Aufstieg Preußens zur kontinentalen Großmacht verschoben sich die Kräfteverhältnisse aber dergestalt, dass die Grenzstreitigkeiten verbindlich geregelt wurden. Zu Gunsten der Preußen, versteht sich.

Es verwundert sich unter diesen Umständen deshalb nicht, dass Rendsburg stets ein Standort war, an welchem die Armee einen festen Platz hatte. Es war eine klassische Garnisonsstadt, welche auch architektonisch von der Militärpräsenz geprägt ist. Die alte Kaserne und ihr grosser Paradeplatz befindet sich markant positioniert, im Zentrum der Altstadt. Hübsch anzusehen. Quasi im Kreis um diesen Platz gruppieren sich die historischen Gebäude. Aber wir sprechen von rund zwei, drei Straßenreihen und nicht von einer ausladenden Altstadt, welche für sich gesehen eine Reise wert wäre.

Was aber jeden Aufwand rechtfertigt, ist das Pane Vino, mein Lieblingsitaliener im Norden. Wenn nicht sogar in ganz Deutschland. Ich liebe ihn. Wie bei jedem Restaurant, zu welchem man ein besonderes Verhältnis hat, ist es ein ganz bestimmtes Angebot, welches den Unterschied macht. Im Falle des Pane Vino ist es das Buffet mit den Antipasti. Eine Attraktion, welche ich in dieser Qualität im Basler Mediterane gesehen habe. Letzteres war zwar etwas größer, aber dafür auch WESENTLICH teurer.

Das Pane Vino in Rendsburg ist hingegen nicht teuer. Auch nicht edel, sondern aufgeregt, überfüllt, manchmal etwas laut und warm. Denn das Ristorante befindet sich im Kellergeschoss des Gebäudes am Paradeplatz 3. Das ist auch der Grund, weshalb meine Göttergattin nicht ganz so gerne dort einkehrt, wie ich das tue.

Bei unserem ersten Besuch war ich völlig geflasht. Ich liebe gutes Essen in besonderer Umgebung. Wobei ich in Bezug auf die Umgebung nicht im eigentlichen Sinne anspruchsvoll, wohl  erwartungsfroh bin. Gut kochen kann ich selber. Wenn ich auswärts essen gehe, erwarte ich deshalb Theater. Eine wie auch immer geartete Show. Diese rechtfertigt schlussendlich den Preis. Im Pane Vino wurde diese schon bei unserem Erstbesuch nicht von den in solchen Gaststätten üblichen italienischen Kellern geboten, sondern von jungen, freundlichen Mädchen. Keine Italienerinnen, sondern junge deutsche Frauen, welche mich durch ihre Art der Zusammenarbeit wirklich beeindruckt haben. Denn wie gesagt, im Pane Vino herrscht meist Hochbetrieb (weshalb eine Reservation nur empfohlen werden kann). Unter diesen Umständen ist Freundlichkeit und Leichtigkeit keine Selbstverständlichkeit.

Aber nicht, dass Sie mich missverstehen: Es ist trotz allem das hervorragende Essen (und falls Sie es überlesen haben sollten: das Buffet mit den Antipasti), welches mich begeistert hat. Der Rest passt einfach und rundet das schöne Bild ab.

Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass das Essen im Norden für Schweizer Verhältnisse günstig, im Vergleich mit anderen deutschen Regionen aber keineswegs billig ist? Selbst im teuren München isst man meistens günstiger. Aber darüber werde ich mich noch an anderer Stelle einmal auslassen.

Übernachtet haben wir übrigens im Hotel 1690, einem sehr hübschen kleinen Design Hotel. Als wir 2015 das erste Mal dort übernachteten, war es gerade neu eröffnet. Nicht renoviert, sondern in alter Hülle neu erbaut. Die Zimmer nicht im alten Stil, sondern hell und modern, mit allem was man so braucht. Das Personal sehr aufmerksam und freundlich. Eine Freude dort zu übernachten.

Tipp

Wenn Sie im Pane Vino essen möchten, empfiehlt es sich zu reservieren. Ausserdem sollten Sie berücksichtigen, dass man in Schleswig-Holstein früher essen geht, als in der Schweiz. Wer um 18:00 im Restaurant am Tisch sitzt, kommt nicht zu früh… Ich bin immer wieder überrascht, wenn einige Restaurants bereits um 19:00 schliessen, weil keine Gäste da sind… Gut, das dürfte beim Pane Vino nicht passieren. Aber auch hier ist um 20:00 Schluss mit den Bestellungen. Keine Ahnung, was die Menschen am Abend machen. Sobald ich eine Idee habe, werde ich darüber einen Beitrag schreiben.

Pane Vino
Paradeplatz 3
24768 Rendsburg

Tel: 0 43 31 / 2 67 01

E-Mail: info@panevino.de

Mo. Ruhetag

Di.-Fr. 12:00 bis 20:00

Sa.+So. 17:00 bis 21:00

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