Eine der Letzten ihrer Art:

Die Rensburger Schwebefähre

Von der Rendsburger Hochbrücke habe ich an anderer Stelle schon erzählt. Sie ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt. Anders als der Kölner Dom oder die Elbphilharmonie ist sie aber für sich genommen noch kein Grund nach Rendsburg zu kommen. Zumindest nicht wegen der Brücke an sich, denn diese erlebt man besser, wenn man Rendsburg im Zug quasi links liegen lässt und einfach nur passiert. Trotzdem ist die Brücke aber auch für die Besucher der Stadt ein echtes Highlight. Und auch dazu gibt es natürlich eine Geschichte.

Unter der Brücke von Rendsburg

Ich habe Euch doch erzählt, dass wir in Rendsburg übernachtet hatten, als wir mit einer befreundeten Architektin unser neues Zuhause inspiziert haben. Rendsburg haben wir damals nicht wegen der Brücke, dem Pane Vino oder sonst einer Attraktion ausgesucht. Es gibt in dieser Region schlicht nicht so wahnsinnig viele Möglichkeiten für zwei Paare, für ein oder zwei Nächte hübsch zu übernachten. Da müssen wir uns gar nichts vormachen. Zu Rendsburg gab es in diesem Zusammenhang keine echte Alternative.

Wenn wir Rendsburg nicht kannten, traf dies natürlich auf das mitreisende Architektenpaar nicht zu. Für Ute war sofort klar, dass wir Rendsburgs eigentliche Attraktion – die Schwebefähre – besichtigen und natürlich fahren mussten.

Schwebefähren sind tatsächlich echte Attraktionen. Weltweit gab es weltweit nur zwanzig Stück, von denen wiederum nur 8 noch in Betrieb sind. Die Rendsburger Schwebefähre ist eine davon. Oder war es zumindest (Stand 22.5.2020). Einem alten Seebären wie mir, sollten Schwebefähren eigentlich ein Dorn im Auge sein, stellen sie doch eine valable Konkurrenz zu meinen bevorzugten Fluß- oder Kanalquerungsmöglichkeiten dar: den Flussfähren. Denn wie der Name schon sagt, schwimmen die Schwebefähren nicht über das Wasser, sondern gleiten über dasselbe hinweg. Nicht wie diese fliegenden Staubsauber, die Hovercrafts, welche wir am Ärmelkanal sehen können. Nein, eher wie die Schwebebahn auf den Säntis. Die Rendsburger Schwebebahn hängt nämlich an den Seilen und diese wiederum an einem Schlitten, welcher wiederum an der Hochbrücke fixiert ist.

Die eigentliche Attraktion der Stadt

Nun, trotz meiner Skepsis, was alle Verkehrsmittel anbelangt, welche über das Wasser gleiten, ohne mit diesem im Kontakt zu stehen, mussten wir das Teil natürlich ausprobieren. Einmal hin und wieder zurück. Zu Fuss natürlich, obwohl die Schwebefähre darauf ausgelegt ist, neben Passagieren auch ein paar Autos oder einen Laster mitzunehmen.

Ich gebe zu, es war ein sehr schönes Erlebnis und die Tatsache, dass es uns nichts gekostet hat, ist darüber hinaus ebenfalls bemerkenswert. Denn seien wir einmal ehrlich: Welch vergleichbares Vergnügen bekommt man denn sonst für ein freundliches Lächeln (was jetzt in dieser Gegend nicht zwingend immer erwidert wird). Also in der Schweiz mit Sicherheit nicht. Auch eine Fahrt mit der Basler Fähri kostet Geld. Für norddeutsche Verhältnisse sogar relativ viel.

Denn hier ist man verwöhnt. Zumindest, wenn es darum geht den Nordostseekanal zu queren. Denn diese Wasserstraße ist ja alles andere als natürlich. Ich kann mich daran erinnern, als man in meiner Heimatgemeinde einmal das Tramtrasse auf der Hauptstraße leicht erhöhen wollte, welch Aufschrei durch die Bevölkerung ging, weil man befürchtete, dass durch die paar Centimeter die Gemeinde in zwei Teile geteilt würde. Was natürlich ein Witz war.

Kostenlos, trockenen Fusses über den Nordostseekanal

Jetzt stelle man sich einmal vor, das Land würde von heute auf morgen durch einen hundert Meter breiten Kanal regelrecht durchschnitten. Beim Bau eines solchen Bauwerks darf man ruhig von einem einschneidenden Erlebnis sprechen. Kaum denkbar, dass lokale Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darüber in Jubel und Freudengesänge ausgebrochen sind. Deshalb musste der Preussenkaiser Wilhelm seinen lieben Untertanen garantieren, dass ein jeder trockenen Fusses über den Kanal komme, ohne dafür einen Obolus leisten zu müssen.

Damit waren die Untertanen soweit besänftigt, als dass sie den Bau zuliessen und sich auch nicht dagegen zur Wehr setzten, ihn Kaiser Wilhelm Kanal zu nennen. Jener Wilhelm, der Deutschland 1914 in den Krieg führte, den die Deutschen bekanntlich nicht für sich entscheiden konnten. Andere Geschichte. Aber als Folge dieses Krieges musste der Kaiser abdanken und ausgerechnet nach Holland ins Exil. Doch der Schmach nicht genug: Der Name „Wilhelm“ gerat in Verruf und als Weltkriege definitiv kein gesellschaftliches Ziel mehr bildeten, fand man es nicht mehr opportun, einen Kanal einem Kriegsverbrecher zu widmen. Der Kanal wurde 1948 in Nordostseekanal umbenannt. Die kostenlose Traversierung ist allerdings erhalten geblieben.

Zurück zur Rendsburger Schwebefähre. Wenige Wochen nach unserer Expedition über den Kanal informierte mich Ute über einen regionalen Schicksalsschlag, von welchem sich Rendsburg bis heute (noch) nicht erholte hat: Am 8. Januar 2016 ist das Undankbare geschehen und der „Kapitän“ der Rendsburger Schwebefähre rammte mit seinem Gefährt mit dem Frachter „Evert Prahm“. Über die Gründe gibt es verschiedene Erklärungen. Die eine hat mit Kälte und Eis und schlechter Sicht zu tun. Die andere mit Alkohol oder so. Egal, die beiden Fahrzeuge lagen danach in Trümmern. Dumm gelaufen.

Jenseits des Nordostseekanals

Nun muss man wissen, dass es in Rendsburg zwar die Hochbrücke gibt, diese aber für den Zugverkehr reserviert ist. Wie also kommen die Rendsburger nun seit 2016 über den Kanal? Gar nicht! Denn die verbliebenen Möglichkeiten führen nicht über, sondern unter dem Kanal hindurch. Einem Tunnel für Autos, welcher einer Dauerbaustelle sehr nahekommt, im Verlaufe des Jahres 2020 jedoch wieder einmal fertiggestellt sein soll.

Und einem Fussgängertunnel. Eine Erfahrung, welche man sich bei einem Besuch in Rendsburg auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Stellt sich nur die Frage, warum man als Tourist und Besucher auf die andere Seite gehen sollte. Dazu sage ich nur: Der Weg ist das Ziel. Und wenn man schon dort ist, gibt es einen wunderbaren Blick auf den Kanal und den Hafen, welcher die kleine Mühe lohnen.

Die Schwebefähre gibt es übrigens auch bald wieder zu bewundern. Wenn nicht alles täuscht – und in dieser Frage, haben sich schon einige getäuscht – ist die Wiedereröffnung im Herbst 2020 geplant.

 

Tipp 1:

Sie müssen nicht allein wegen des Blickes auf die andere Kanalseite, wenn Sie in Rendsburg Station machen. Nutzen Sie ihren Aufenthalt auf der Südseite dazu, die Kanal-Meisterei zu besuchen. Eine nette Lokalität, in welcher man den besagten Blick mit einem Stück Kuchen oder auch einem Essen genießen kann.

 

Tipp 2:

Wenn sie Lust haben und das Wetter passt, empfehle ich Ihnen einen Spaziergang unter der Rendsburger Hochbrücke durch (bzw. wenn Sie mit der Rendsburger Schwebefähre gekommen sind, in linker Richtung) zur nächsten Fährstation Nobiskrug. Dort queren sie mit einer der beiden (!) richtigen Fähren den Kanal und gehen danach auf der anderen Seite wieder zurück. Zu sehen gibt es eine nette Landschaft, die Rendsburger Hochbrücke aus allen wichtigen Perspektiven, eine Werft und wenn Sie Glück haben jede Menge Schiffe. Letzteres ist unsere Hauptmotivation, wenn wir am Kanal entlang spazieren. Und das tun wir oft, wie Sie sich sicher denken können.

Mehr zur Rendsburger Schwebefähre

Es gibt im Netz einige nette Videos und Bilder der Rensburger Schwebefähre, welche ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Eine der Letzten ihrer Art:

Die Rensburger Schwebefähre

Von der Rendsburger Hochbrücke habe ich an anderer Stelle schon erzählt. Sie ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt. Anders als der Kölner Dom oder die Elbphilharmonie ist sie aber für sich genommen noch kein Grund nach Rendsburg zu kommen. Zumindest nicht wegen der Brücke an sich, denn diese erlebt man besser, wenn man Rendsburg im Zug quasi links liegen lässt und einfach nur passiert. Trotzdem ist die Brücke aber auch für die Besucher der Stadt ein echtes Highlight. Und auch dazu gibt es natürlich eine Geschichte.

Unter der Brücke von Rendsburg

Ich habe Euch doch erzählt, dass wir in Rendsburg übernachtet hatten, als wir mit einer befreundeten Architektin unser neues Zuhause inspiziert haben. Rendsburg haben wir damals nicht wegen der Brücke, dem Pane Vino oder sonst einer Attraktion ausgesucht. Es gibt in dieser Region schlicht nicht so wahnsinnig viele Möglichkeiten für zwei Paare, für ein oder zwei Nächte hübsch zu übernachten. Da müssen wir uns gar nichts vormachen. Zu Rendsburg gab es in diesem Zusammenhang keine echte Alternative.

Wenn wir Rendsburg nicht kannten, traf dies natürlich auf das mitreisende Architektenpaar nicht zu. Für Ute war sofort klar, dass wir Rendsburgs eigentliche Attraktion – die Schwebefähre – besichtigen und natürlich fahren mussten.

Schwebefähren sind tatsächlich echte Attraktionen. Weltweit gab es weltweit nur zwanzig Stück, von denen wiederum nur 8 noch in Betrieb sind. Die Rendsburger Schwebefähre ist eine davon. Oder war es zumindest (Stand 22.5.2020). Einem alten Seebären wie mir, sollten Schwebefähren eigentlich ein Dorn im Auge sein, stellen sie doch eine valable Konkurrenz zu meinen bevorzugten Fluß- oder Kanalquerungsmöglichkeiten dar: den Flussfähren. Denn wie der Name schon sagt, schwimmen die Schwebefähren nicht über das Wasser, sondern gleiten über dasselbe hinweg. Nicht wie diese fliegenden Staubsauber, die Hovercrafts, welche wir am Ärmelkanal sehen können. Nein, eher wie die Schwebebahn auf den Säntis. Die Rendsburger Schwebebahn hängt nämlich an den Seilen und diese wiederum an einem Schlitten, welcher wiederum an der Hochbrücke fixiert ist.

Die eigentliche Attraktion der Stadt

Nun, trotz meiner Skepsis, was alle Verkehrsmittel anbelangt, welche über das Wasser gleiten, ohne mit diesem im Kontakt zu stehen, mussten wir das Teil natürlich ausprobieren. Einmal hin und wieder zurück. Zu Fuss natürlich, obwohl die Schwebefähre darauf ausgelegt ist, neben Passagieren auch ein paar Autos oder einen Laster mitzunehmen.

Ich gebe zu, es war ein sehr schönes Erlebnis und die Tatsache, dass es uns nichts gekostet hat, ist darüber hinaus ebenfalls bemerkenswert. Denn seien wir einmal ehrlich: Welch vergleichbares Vergnügen bekommt man denn sonst für ein freundliches Lächeln (was jetzt in dieser Gegend nicht zwingend immer erwidert wird). Also in der Schweiz mit Sicherheit nicht. Auch eine Fahrt mit der Basler Fähri kostet Geld. Für norddeutsche Verhältnisse sogar relativ viel.

Denn hier ist man verwöhnt. Zumindest, wenn es darum geht den Nordostseekanal zu queren. Denn diese Wasserstraße ist ja alles andere als natürlich. Ich kann mich daran erinnern, als man in meiner Heimatgemeinde einmal das Tramtrasse auf der Hauptstraße leicht erhöhen wollte, welch Aufschrei durch die Bevölkerung ging, weil man befürchtete, dass durch die paar Centimeter die Gemeinde in zwei Teile geteilt würde. Was natürlich ein Witz war.

Kostenlos, trockenen Fusses über den Nordostseekanal

Jetzt stelle man sich einmal vor, das Land würde von heute auf morgen durch einen hundert Meter breiten Kanal regelrecht durchschnitten. Beim Bau eines solchen Bauwerks darf man ruhig von einem einschneidenden Erlebnis sprechen. Kaum denkbar, dass lokale Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darüber in Jubel und Freudengesänge ausgebrochen sind. Deshalb musste der Preussenkaiser Wilhelm seinen lieben Untertanen garantieren, dass ein jeder trockenen Fusses über den Kanal komme, ohne dafür einen Obolus leisten zu müssen.

Damit waren die Untertanen soweit besänftigt, als dass sie den Bau zuliessen und sich auch nicht dagegen zur Wehr setzten, ihn Kaiser Wilhelm Kanal zu nennen. Jener Wilhelm, der Deutschland 1914 in den Krieg führte, den die Deutschen bekanntlich nicht für sich entscheiden konnten. Andere Geschichte. Aber als Folge dieses Krieges musste der Kaiser abdanken und ausgerechnet nach Holland ins Exil. Doch der Schmach nicht genug: Der Name „Wilhelm“ gerat in Verruf und als Weltkriege definitiv kein gesellschaftliches Ziel mehr bildeten, fand man es nicht mehr opportun, einen Kanal einem Kriegsverbrecher zu widmen. Der Kanal wurde 1948 in Nordostseekanal umbenannt. Die kostenlose Traversierung ist allerdings erhalten geblieben.

Zurück zur Rendsburger Schwebefähre. Wenige Wochen nach unserer Expedition über den Kanal informierte mich Ute über einen regionalen Schicksalsschlag, von welchem sich Rendsburg bis heute (noch) nicht erholte hat: Am 8. Januar 2016 ist das Undankbare geschehen und der „Kapitän“ der Rendsburger Schwebefähre rammte mit seinem Gefährt mit dem Frachter „Evert Prahm“. Über die Gründe gibt es verschiedene Erklärungen. Die eine hat mit Kälte und Eis und schlechter Sicht zu tun. Die andere mit Alkohol oder so. Egal, die beiden Fahrzeuge lagen danach in Trümmern. Dumm gelaufen.

Jenseits des Nordostseekanals

Nun muss man wissen, dass es in Rendsburg zwar die Hochbrücke gibt, diese aber für den Zugverkehr reserviert ist. Wie also kommen die Rendsburger nun seit 2016 über den Kanal? Gar nicht! Denn die verbliebenen Möglichkeiten führen nicht über, sondern unter dem Kanal hindurch. Einem Tunnel für Autos, welcher einer Dauerbaustelle sehr nahekommt, im Verlaufe des Jahres 2020 jedoch wieder einmal fertiggestellt sein soll.

Und einem Fussgängertunnel. Eine Erfahrung, welche man sich bei einem Besuch in Rendsburg auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Stellt sich nur die Frage, warum man als Tourist und Besucher auf die andere Seite gehen sollte. Dazu sage ich nur: Der Weg ist das Ziel. Und wenn man schon dort ist, gibt es einen wunderbaren Blick auf den Kanal und den Hafen, welcher die kleine Mühe lohnen.

Die Schwebefähre gibt es übrigens auch bald wieder zu bewundern. Wenn nicht alles täuscht – und in dieser Frage, haben sich schon einige getäuscht – ist die Wiedereröffnung im Herbst 2020 geplant.

Tipp:

Sie müssen nicht allein wegen des Blickes auf die andere Kanalseite, wenn Sie in Rendsburg Station machen. Nutzen Sie ihren Aufenthalt auf der Südseite dazu, die Kanal-Meisterei zu besuchen. Eine nette Lokalität, in welcher man den besagten Blick mit einem Stück Kuchen oder auch einem Essen genießen kann.

Tipp2:

Wenn sie Lust haben und das Wetter passt, empfehle ich Ihnen einen Spaziergang unter der Rendsburger Hochbrücke durch (bzw. wenn Sie mit der Rendsburger Schwebefähre gekommen sind, in linker Richtung) zur nächsten Fährstation Nobiskrug. Dort queren sie mit einer der beiden (!) richtigen Fähren den Kanal und gehen danach auf der anderen Seite wieder zurück. Zu sehen gibt es eine nette Landschaft, die Rendsburger Hochbrücke aus allen wichtigen Perspektiven, eine Werft und wenn Sie Glück haben jede Menge Schiffe. Letzteres ist unsere Hauptmotivation, wenn wir am Kanal entlang spazieren. Und das tun wir oft, wie Sie sich sicher denken können.

Mehr zur Rendsburger Schwebefähre

Es gibt im Netz einige nette Videos und Bilder der Rensburger Schwebefähre, welche ich Euch nicht vorenthalten möchte.

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